FIELD NOTE / Lost-Place-Fotostory

Lost Place Motor Technica: Zwischen MiG-21, Dampfmaschinen und Hansa Luftbild

In Bad Oeynhausen bin ich auf die Reste des früheren Motor Technica Museums gestoßen: MiG-21, Hansa-Luftbild-Flugzeug, Dampftechnik, Lok und Doppeldecker zwischen Rost und Natur.

Gelbe Aero Commander von Hansa Luftbild am ehemaligen Motor Technica Museum in Bad Oeynhausen
UPDATED 10.09.2026READ / 5 MINTYPE / Lost-Place-Fotostory

Ich war in den letzten Tagen unterwegs, als aus einem eigentlich unspektakulären Stopp plötzlich genau die Art Ort wurde, für die ich auf Roadtrips gern Zeit verliere. Zwischen Bäumen, alten Gebäuden und viel Rost stehen hier Fahrzeuge und Maschinen, die auf den ersten Blick überhaupt nicht zusammenpassen: ein gelbes Vermessungsflugzeug, eine MiG-21, eine kleine Dampflok, ein Doppeldeckerbus und schwere Dampfmaschinen.

Der Ort ist das Gelände des ehemaligen Motor Technica Museums in Bad Oeynhausen-Rehme. Das Museum ist seit vielen Jahren geschlossen. Heute wirkt vor allem der verbliebene Außenbestand wie eine Mischung aus Technikgeschichte, Verfall und langsam zurückkehrender Natur.

Was hier früher war

Das Motor Technica Museum wurde 1973 als privates Auto- und Motorradmuseum gegründet. Nach einer Insolvenz Anfang der 1990er-Jahre wurde es unter neuem Besitzer weitergeführt und um weitere Fahrzeuge sowie Luftfahrttechnik ergänzt. 2007 schloss das Museum endgültig.

Vieles aus der früheren Sammlung ist inzwischen verschwunden. Einige große Exponate im Außenbereich sind aber geblieben – und genau diese Mischung hat mich an dem Ort gepackt. Es ist kein riesiges verlassenes Industrieareal. Dafür stehen auf relativ engem Raum Dinge nebeneinander, die normalerweise in komplett unterschiedlichen Museen landen würden.

Das gelbe Flugzeug von Hansa Luftbild

Das auffälligste Motiv ist für mich die gelbe Maschine zwischen Bäumen und Gebäuden. Dabei handelt es sich um eine Aero Commander 680E mit dem Kennzeichen D-IBIB, die für Hansa Luftbild eingesetzt wurde. Historische Luftfahrt-Datenbanken dokumentieren genau dieses Flugzeug bereits Ende der 1990er-Jahre am Motor Technica Museum.

Hansa Luftbild gibt es in Deutschland seit den 1920er-Jahren. Das Unternehmen war und ist auf Luftbildaufnahmen, Vermessung und Geoinformation spezialisiert. Auf historischen Firmenfotos taucht die auffällige gelbe Flotte ebenfalls auf.

Heute steht die D-IBIB mit stumpfer Lackierung, Schmutz und deutlich sichtbaren Spuren der Jahre zwischen den Bäumen. Gerade der Kontrast aus kräftigem Gelb, dunklen Wolken und dem verwitterten Zustand macht sie für mich zum stärksten Bild des Ortes.

Eine MiG-21, die mehr Geschichte hat als ihre aktuelle Kennung

Verwitterte MiG-21 auf Böcken am ehemaligen Motor Technica Museum
Die MiG-21MF-75 ist eines der auffälligsten verbliebenen Luftfahrt-Exponate. Ihre reale frühere Luftwaffenkennung war 23+48.

Noch einmal deutlich surrealer wirkt die MiG-21MF-75 auf Böcken. Das Flugzeug wurde 1975 an die Luftstreitkräfte der DDR geliefert und kam nach der Wiedervereinigung als 23+48 zur Luftwaffe. 1991 wurde es außer Dienst gestellt und später im Motor Technica Museum ausgestellt.

Am Museumsflugzeug wurde eine andere Kennung aufgetragen. Luftfahrtquellen ordnen die Maschine anhand ihrer Werknummer trotzdem eindeutig der früheren 23+48 zu.

Mich interessiert an solchen Exponaten weniger, ob jede Lackierung museal perfekt rekonstruiert ist. Spannend ist der aktuelle Zustand: matte Metallflächen, Korrosion, offene Bereiche am Heck und darunter einfache Stützen. Gleichzeitig steht das Flugzeug noch immer mit dieser typischen MiG-Silhouette da, als wäre es nur für sehr lange Zeit abgestellt worden.

Dampfmaschine, Schwungrad und ein Typenschild von 1925

Historische Dampfmaschine mit großem Schwungrad und genieteter Kesselwand
Großes Schwungrad, genieteter Kessel und jahrzehntelange Korrosion machen die alte Dampftechnik zu einem der stärksten Motive.
Typenschild von Assmann und Stockder aus Stuttgart-Cannstatt mit der Jahreszahl 1925
Das Herstellerschild liefert einen belastbaren Anhaltspunkt: Assmann & Stockder, Stuttgart-Cannstatt, Kennzeichnung 1925.
Nahaufnahme verwitterter Ventile und Armaturen auf einer alten Dampfmaschine
Abplatzender Lack, Rost und fest sitzende Armaturen zeigen den Zustand im Detail.

Fast noch besser als die großen Flugzeuge finde ich die alten Maschinen im Grün. Eine davon trägt ein gut erhaltenes Schild von Assmann & Stockder GmbH, Stuttgart-Cannstatt mit der Jahreszahl 1925.

Assmann & Stockder war ein deutscher Maschinenbauer, dessen Geschichte bis ins 19. Jahrhundert zurückreicht. Zum Produktionsprogramm gehörten unter anderem Dampfmaschinen und Lokomobile. Genau diese massive Bauweise sieht man hier noch: genietete Kessel, große Schwungräder, Ventile, Leitungen und Bauteile, die eher nach Industrieanlage als nach klassischem Museumsstück aussehen.

Der Rost ist inzwischen nicht mehr nur oberflächlich. Lackschichten platzen ab, Pflanzen wachsen direkt an den Maschinen und manche Armatur sieht aus, als hätte seit Jahrzehnten niemand mehr daran gedreht. Fotografisch ist das für mich genau der interessante Punkt: Die Technik ist noch klar erkennbar, aber die Zeit ist genauso sichtbar geworden.

Kleine Dampflok und alter Doppeldecker

Kleine historische Dampflokomotive unter Bäumen am ehemaligen Museum
Die kleine Lok steht inzwischen zwischen Laub und Vegetation; grüne Lackreste treffen auf tiefen Rost am Fahrwerk.
Verwitterter alter Doppeldeckerbus zwischen Bäumen
Der Doppeldecker ist noch sofort als Bus zu erkennen, obwohl Karosserie und Fensterbereiche stark verwittert sind.

Ein paar Meter weiter geht das Sammelsurium weiter. Unter den Bäumen steht eine kleine historische Dampflokomotive. Der grüne Aufbau ist noch gut zu erkennen, während Fahrwerk und Metallteile inzwischen tief rostbraun geworden sind.

Daneben steht ein alter Doppeldeckerbus. Auch hier ist die ursprüngliche Funktion sofort erkennbar, obwohl große Flächen blind, korrodiert oder bereits provisorisch verschlossen sind. Für sich allein wäre jedes dieser Fahrzeuge schon ein interessantes Fotomotiv. In Kombination mit Flugzeugen und Dampfmaschinen wirkt der Ort aber fast wie ein technisches Zeitarchiv, das irgendwann einfach angehalten wurde.

Wenn die Natur langsam Teil der Ausstellung wird

Pilze und neuer Bewuchs auf einem alten Baumstumpf auf dem Museumsgelände
Zwischen den technischen Relikten übernimmt die Natur sichtbar wieder Raum.
Blick durch einen Drahtzaun auf alte Maschinen und Schwungräder
Nicht jedes Motiv braucht Nähe: Der Blick durch den Zaun gehört für mich genauso zur dokumentarischen Geschichte des Ortes.

Zwischen all dem Metall sind mir die kleinen Motive fast genauso wichtig geworden. Pilze wachsen aus einem alten Baumstumpf, Grün schiebt sich an Maschinen heran und an manchen Stellen betrachtet man die alten Anlagen nur noch durch einen Zaun.

Das ist für mich der eigentliche Lost-Place-Moment. Nicht die möglichst spektakuläre Ruine und auch nicht die Frage, wie man irgendwo hineinkommt. Interessant ist, wie ein Ort seine ursprüngliche Funktion verliert und trotzdem Spuren davon übrig bleiben.

Hier sollte einmal Technik bewahrt und gezeigt werden. Heute übernimmt die Umgebung selbst einen Teil der Inszenierung.

Mein Eindruck vom Motor Technica Lost Place

Der ehemalige Museumsstandort ist kein Lost Place, für den ich einen ganzen Tag einplanen würde. Gerade als zufälliger Roadtrip-Stopp fand ich ihn aber ziemlich stark.

Auf wenigen Bildern steckt erstaunlich viel Technikgeschichte: zivile Luftbildvermessung, militärische Luftfahrt, Dampftechnik, Schiene und öffentlicher Verkehr. Dazu kommen Rost, Vegetation und diese etwas absurde Situation, dass all diese Dinge noch immer nebeneinander stehen.

Genau solche Orte mag ich unterwegs. Ich muss dort nichts inszenieren und keine Absperrung überwinden, damit eine Geschichte entsteht. Es reicht, genauer hinzusehen.

Weitere solche Stopps sammle ich in meinem Bereich Lost Places. Warum ich auf Roadtrips überhaupt gern für Ruinen, Technikrelikte und schräge Zufallsfunde abbiege, habe ich außerdem in meiner Roadtrip-Fotostory über Lost Places und Umwege beschrieben.

Quellen und historische Einordnung

Für die historische Zuordnung habe ich neben meinen eigenen Fotos öffentlich zugängliche Quellen abgeglichen:

Die exakte Typbestimmung einzelner Schienen- und Straßenfahrzeuge lasse ich bewusst offen, solange ich sie nicht belastbar anhand von Hersteller- oder Fahrzeugdaten belegen kann.


ON//
Christian Hobohm

Outdoor Nerd trennt Praxistest, Recherche und Produktdaten sichtbar. Wo ich etwas nicht selbst getestet habe, behaupte ich das auch nicht.

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